Six Senses Hideaway Zighy Bay, Musandam Halbinsel
Six Senses Hideaway Zighy Bay, Musandam Halbinsel
Land: Oman
Thema:
Telefon: 0831/22606
Datum: 25 März 2009
Oman, Six Senses Hideaway at Zighy Bay
Stolz, gemessenen Schrittes und elegant gekleidet – so begrüßt uns der Fahrer des Hideaway at Zighy Bay bereits in Dubai. Mit seinem bestickten Dishdash und der sorgfältig verzierten Kumma sticht er unter all den Managern und Touristen hervor.
Etwa drei Stunden dauert die Fahrt vom Flughafen Dubai zum neuesten Hotel der Six Senses Hideaways (ehemals Evason Hotels). Im 7er BMW geht es auf breiten Schnellstraßen quer durch die Emirate zur Enklave Musandam.
Nach einer gemütlichen Fahrt durch die Steppe tauchen plötzlich dramatisch schroffe Bergzacken am Horizont auf. Ähnlich des Jebel Akhdar Gebirges weiter südlich, erheben sich diese sandfarbenen Spitzen unvermittelt aus dem Sand und bieten atemberaubende Blicke auf Täler und bewirtschaftete Oasen.
Mitten hinein fahren wir in diese Landschaft, durchqueren ein lang gezogenes Tal und sind plötzlich in der sauberen und aufgeräumten Stadt Dibba, der Grenzstadt zwischen dem Emirat Fujairah und der omanischen Enklave Musandam. Die Grenzkontrolle ist unkompliziert, so dass wir uns nach einigen Minuten Fahrt auf einem Parkplatz wieder finden, auf dem bereits zwei Männer und ein Jeep auf uns warten. Wir werden freundlich von unserem Butler begrüßt, der uns die nächsten Tage zur Verfügung stehen wird. Von hier aus rattern wir im Geländefahrzeug in ein Seitental, durch das Gate des Hotels und dann plötzlich auf einer abenteuerlichen Sandpiste steil den Berg hinauf. Der Blick vom Scheitel des Passes hinunter auf das neue Resort ist überwältigend. In einer sichelförmigen Bucht glitzert das Meer hinauf und für uns das Wichtigste: Das Hotel fällt nicht auf! Farblich und architektonisch ist es völlig unauffällig in die Gegend integriert. Das gefällt uns.
Von hier oben bieten sich zwei Alternativen für den weiteren Transfer: Entweder lässt man sich auf der Fahrt hinunter noch einige Minuten kräftig durchrütteln, oder man „steigt um“ und fliegt mit einem der Tandem-Paraglider des Resorts hinab ins Tal, um sanft am Strand zu landen. Eine grandiose Idee mit Kick.
Bereits bei der Einfahrt zur Anlage wird deutlich, was sich die Architekten vorgestellt haben. Durch ein lehmfarbenes Tor geht es in einen kleinen Souk, der von den Einwohnern des benachbarten Dorfes betrieben wird. Es ist gelungen, diesen Bau authentisch und ohne Kitsch zu errichten, ebenso wie den Empfangsbereich im arabischen Stil. Auf großen Sofas macht man es sich bequem, bekommt einen Kaffee und Datteln gereicht und erledigt nebenbei die Checkin-Formalitäten.
Der Butler führt auf Wunsch durch die Anlage, erklärt alle wichtigen Bauten und deren Funktionen, so dass der Weg zu den Bungalows recht kurzweilig ist. Das Gepäck kommt praktisch zeitgleich an.
Großzügiges Wohnen:
Bereits die kleinste Villa bietet 82 qm. Umgrenzt von Natursteinmauern und Sichtschutzmatten aus Bambus findet man eine angenehme, wenn auch nicht hundertprozentige Privatsphäre. Die Matten sind kein perfekter Sichtschutz und von den höher gelegen Villen sieht man unter Umständen in den Vorgarten oder ins Fenster des Nachbarn. Bestechend ist auch hier, wie überall im Hotel, die Kombination aus natürlichen Materialien mit moderner Technik. Die Kaffeemaschine, der Weinkühlschrank und die topaktuelle Stereoanlage mit DVD-Player lassen keine Wünsche offen. Apropos offen: Das Bad ist ins Schlafzimmer integriert, aber nicht so, dass man seinem Partner beim Zähneputzen zusieht, sondern angenehm optisch abgetrennt. Die großzügige Dusche hat eine Tür nach draußen in den Vorgarten, in dem sich eine weitere Außendusche befindet.
Vor der Terrassentür findet man das El Dorado für Gemütsurlauber. Ein Privatpool in ausreichenden Dimensionen, zwei Sonnenliegen, ein Tisch mit vier Stühlen sowie eine großzügige Liegefläche mit vielen Kissen, die auch zum Übernachten in warmen Frühlingsnächten einlädt. Zusätzlich haben alle Villen ein sogenanntes „Summer House“, ein kompaktes Refugium aus Bambus mit vielen Sitz- und Liegekissen, das durch den ständigen Durchzug, immer ein bis zwei Grad kühler ist als die Umgebung.
Ausstattungsvarianten mit zwei Schlafzimmern, mit Schlafzimmer unten und Wohnzimmer oben, mit 126 qm oder 437 qm runden das Sortiment ab. Zusätzlich sind zwei „Retreats“ mit über 1.000 qm und ein „Reserve“ mit 1.600 qm entstanden. Hier sind Familien und größere Gesellschaften perfekt untergebracht.
In der Anlage befindet sich eine kleine Bar mit Sitzgelegenheit außen und innen, ein Open-Air Deli für Snacks und Mittagsverpflegung, sowie ein Restaurant für den abendlichen Genuss. Hier werden wechselnde Themenabende veranstaltet. Die Preise halten sich für ein sechs Sterne Restaurant im Rahmen. Das Frühstück kann wahlweise innen oder außen eingenommen werden. Alle Speisen sind á là Carte. Es werden Kochkurse angeboten und für eine Gesellschaft bis zu 14 Personen gibt es einen schönen Nebenraum.
Weiterhin findet man ein Restaurant in luftiger Höhe in den Bergen. „On the Edge“ bietet mehrgängige Menüs mit großartiger Aussicht. Dazu bieten sich Dinnermöglichkeiten im Fischrestaurant „Bites“, der Marina und Weinverkostungen im rustikalen Weinkeller an. Selbstverständlich lassen sich Essen auch im Bungalow und am Strand organisieren.
Wer seine Villa nicht in erster Reihe hat und Gesellschaft nicht verschmäht, findet am Hauptpool einige Liegen vor. Direkt am Strand gibt es keine Liegen, so dass die Beachfront-Villen mit ihren weit zu öffnenden Türen zum Strand hin die begehrteste Unterkunftsvariante bieten dürften. Leider haben die deutschen Reiseveranstalter diese Villen bisher nicht explizit ausgeschrieben. Hier sind die Reisebüros gefragt, die gewünschte Unterkunft zu besorgen.
Neben dem sprichwörtlich guten Six Senses Spa gibt es pro Villa zwei Fahrräder, nicht motorisierten Wassersport (Tauchen!) sowie einige schöne Ausflüge in die Bergwelt Musandams. Hier kann man mit four wheel Drives und per Mountainbike interessante Touren unternehmen. Da diese exklusiv für die jeweilige Kundschaft organisiert werden, sind sie nicht gerade günstig.
Fazit:
Eine architektonisch rundum stimmige Anlage, die großen Wert auf Natürlichkeit und Understatement legt. Wer ein Hideaway sucht, ist hier richtig.
„Luxus“ im Sinne arabischer Gold- und Prunkorgien sucht man vergebens, genauso wie Animation oder abendliche Shows. Trotzdem muss der Reisende auf hochwertige Ausstattung nicht verzichten und die arabische Atmosphäre ist angenehm und authentisch.
Als Nachteil empfinden wir lediglich die völlige Abgeschiedenheit des Hotels. Der kleine Ort in der Bucht ist nicht wirklich ein Highlight, so dass wir Zighy Bay wirklich nur für Ruhesuchende empfehlen können. Weiterhin mag sich manch einer in der kompromisslos natürlichen Architektur des Hotels nicht ganz wohl fühlen und es wird eventuell einige Missverständnisse geben, wenn arglose Kunden denken, von hier aus den Oman bereisen zu können. Muscat ist immerhin gut 5 Fahrstunden entfernt. Wir haben es jedenfalls mit einer ganz besonderen Anlage zu tun, die sicherlich viele, aber nicht jeden, ansprechen wird.
Rolf Apin
